Mitglieder News Vorfall am Großglockner
1. September 2026
Verband reagiert mit raschen Maßnahmen Streit am Mürztalersteig
Die Fakten
In den vergangenen Tagen hat ein am Großglockner aufgenommenes Video eines Zwischenfalls zwischen einem Bergführer und einem polnischen Bergsteiger große mediale Aufmerksamkeit ausgelöst. Da der betroffene Bergführer Mitglied des Steirischen Bergsportführerverbandes war, wurde der Vorfall auch innerhalb unseres Verbandes intensiv behandelt.
Reaktion des Verbandes
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ereignisse hat sich der Vorstand mit dem Sachverhalt befasst und die erforderlichen Schritte eingeleitet. Für uns stand dabei von Beginn an eine sachliche, professionelle und verantwortungsvolle Aufarbeitung im Vordergrund. Gemeinsam mit juristischer und kommunikativer Unterstützung wurde das weitere Vorgehen abgestimmt.
Der Verband distanziert sich klar von dem im Video gezeigten Verhalten sowie der Art der Kommunikation. Zugleich war es unsere Aufgabe, den Sachverhalt objektiv, sorgfältig und auf Basis der vorliegenden Fakten zu prüfen.
Reaktion des betroffenen Bergführers
Im Zuge der Aufarbeitung zeigte sich der betroffene Bergführer hinsichtlich seines Fehlverhaltens einsichtig. Noch bevor die zuständigen Gremien des Berufsverbandes den Sachverhalt abschließend prüfen und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten konnten, legte er aus eigener Entscheidung und in voller Verantwortung für sein Handeln seine Befugnis gemäß den geltenden Bestimmungen zurück. Gleichzeitig erklärte er seinen Austritt aus dem Steirischen Bergsportführerverband. Der Verband wird ihn bei der Abwehr unberechtigter Vorwürfe unterstützen.
Die Arbeit als Bergführer*in
Der Vorfall hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Professionalität, Respekt und Deeskalation im alpinen Umfeld sind. Die steirischen Berg- und Skiführerinnen und Berg- und Skiführer tragen täglich Verantwortung für die Sicherheit ihrer Gäste und repräsentieren dabei den gesamten Berufsstand. Umso wichtiger ist ein respektvoller Umgang miteinander, insbesondere in herausfordernden Situationen.
Die Berichterstattung/Social Media
Im Zusammenhang mit der medialen Berichterstattung möchten wir darauf hinweisen, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Angelegenheiten von bundesweiter Relevanz grundsätzlich Aufgabe des Verbandes Österreichischer Berg- und Skiführer (VÖBS) als Interessensvertretung des österreichischen Bergführerwesens ist. Aus unserer Sicht war es daher bedauerlich, dass in der öffentlichen Kommunikation die regionale Zugehörigkeit des betroffenen Bergführers eine Rolle spielte. Derartige Vorfälle betreffen das Verhalten einzelner Personen und sollten nicht dazu führen, die Arbeit einer gesamten Region oder ihrer Bergsportführerinnen und Bergsportführer in Misskredit zu bringen.
Die Entwicklung dieses Vorfalls hat gezeigt, wie rasch öffentliche Spekulationen und Namensnennungen in sozialen Medien zu Falschzuordnungen unbeteiligter Personen führen können. Wir geben die Identität des betroffenen Bergführers nicht öffentlich bekannt. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen und Persönlichkeitsrechten ist immens wichtig.
Die Steirischen Bergführer*innen
Die steirischen Berg- und Skiführerinnen und Berg- und Skiführer leisten tagtäglich hervorragende Arbeit und begleiten ihre Gäste mit hoher fachlicher Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und großem Engagement sicher durch die alpine Bergwelt. Dieses professionelle Handeln prägt das hohe Ansehen unseres Berufsstandes und verdient besondere Anerkennung.
Der Steirische Bergsportführerverband wird seine professionelle und zukunftsorientierte Kommunikationsarbeit konsequent fortsetzen. Die derzeitige Berichterstattung kann auch dazu beitragen, die hohe Qualität, Kompetenz und Verantwortung des Bergführerwesens noch deutlicher sichtbar zu machen.
Medienanfragen
Wir ersuchen unsere Mitglieder, auf Anfragen von Medien, Journalistinnen und Journalisten oder öffentlichen Stellen keine eigenen Stellungnahmen abzugeben, sondern sämtliche Presseanfragen an unseren Kommunikationsbeauftragten weiterzuleiten:
Mag. Stephan Skrobar
Kommunikationsbeauftragter Steirischer Bergsportführerverband
📞 0676 / 522 68 18
📧 presse@bergsport-stmk.at
🌐 https://creatix.at/stephan-skrobar/
Interview
Das nachfolgende Interview mit unserem Obmann Peter Perhab wurde im STANDARD veröffentlicht und gibt einen Einblick in die Sichtweise des Verbandes sowie die eingeleiteten Maßnahmen:
Causa Bergführer: “Er hat seine Bewilligung selbst zurückgelegt”
Der steirische Verbandsobmann Peter Perhab spricht über den handgreiflichen Vorfall am Großglockner, die Folgen für den Berufsstand und die Frage, was Profis am Berg auszeichnen sollte
Interview/Philip Bauer, 31. August 2026, 13:47
STANDARD: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie das Video vom Großglockner gesehen haben?
Perhab: Für den Berufsstand ist das natürlich alles andere als positiv. Bergführer haben eine sehr lange Ausbildung und werden genau auf solche Situationen, auf Überholmanöver und Führungstaktik, vorbereitet. Wenn so etwas eskaliert, wirft das ein schlechtes Licht auf die gesamte Bergführerschaft. Aber natürlich ist auch ein Bergführer ein Mensch und kann einen schlechten Tag haben.
STANDARD: Kann man das Verhalten des Bergführers in irgendeiner Weise rechtfertigen?
Perhab: Dass man am Berg überholen muss, ist ganz normal. Das Wetter kann schnell umschlagen, und als Bergführer muss ich dafür sorgen, dass ich mit meinen Gästen sicher und zügig unterwegs bin. Überholen gehört am Berg also dazu. Was danach passiert ist, ist etwas völlig anderes. Zurückzugehen und den anderen Bergsteiger zu attackieren, macht man nicht – nicht auf der Straße, nicht in der Stadt und natürlich auch auf keinen Fall am Berg.
STANDARD: Wie hätte ein korrektes Überholmanöver ausgesehen?
Perhab: Zuerst suche ich mir eine Stelle, an der ich gut überholen kann. Ich kenne die konkrete Stelle nicht und möchte deshalb nicht beurteilen, ob das dort möglich war. Dann spreche ich die andere Person an: Entschuldigung, dürfen wir überholen, wir sind etwas schneller? Vielleicht erkläre ich noch kurz, was ich vorhabe, bedanke mich und gehe weiter. Das Entscheidende ist die Kommunikation.
STANDARD: Von einem Bergführer würde man erwarten, dass er in einer angespannten Situation deeskaliert.
Perhab: Absolut. Darauf wird in der Ausbildung viel Wert gelegt. Es gibt eigene Ausbildungsinhalte dazu, wie ich mich Gästen und Gruppen gegenüber verhalte. Bergführer sind dahingehend geschult. Warum es an diesem Tag trotzdem so eskaliert ist, kann ich nicht beantworten. Ich weiß nicht, was in dem Mann vorgegangen ist, alles andere wäre Spekulation. Dass sein Verhalten nicht in Ordnung war und nicht beschönigt werden darf, ist völlig klar. Aber es menschelt überall.
STANDARD: An der Stelle geht es steil hinunter. War die Situation besonders gefährlich?
Perhab: Man sollte grundsätzlich nicht handgreiflich werden. Ob die Situation objektiv sehr gefährlich war, kann man anhand des Videos schwer sagen. Soweit ich das erkennen kann, waren die polnischen Bergsteiger am Klettersteig gesichert. Wenn jemand trotzdem das Gefühl hat, in Gefahr zu sein, kann das allerdings großen Stress auslösen. Um die Situation wirklich beurteilen zu können, hätte man dabei sein müssen.
STANDARD: Der Kalser Bergführerverein hat die Zusammenarbeit mit dem Mann beendet. Welche Konsequenzen zieht der steirische Verband?
Perhab: Der Fall ist für uns insofern erledigt, als der Bergführer seine Bewilligung selbst zurückgelegt hat. Er wird künftig nicht mehr als Bergführer tätig sein. Die Bewilligung wird von der Landesregierung erteilt. Wir sind eine Körperschaft öffentlichen Rechts, zuständige Behörde ist aber die Landesregierung.
STANDARD: Hätte es Konsequenzen gegeben, wenn er die Bewilligung nicht freiwillig zurückgelegt hätte?
Perhab: Natürlich. Das Verfahren war bereits eingeleitet, und wir hatten den Bergführer informiert, dass es einen Disziplinarausschuss geben wird. Dieser hätte den Fall beraten und anschließend eine Empfehlung an die Landesregierung abgegeben.
STANDARD: Haben Sie mit dem Bergführer selbst gesprochen?
Perhab: Ja. Er hat sofort gesagt, dass ihm bewusst ist, dass das keine schöne Aktion war. Er war sehr betroffen und hat erklärt, dass er seine Bewilligung zurücklegen möchte, weil er dem Berufsstand nicht schaden und auch niemanden am Berg gefährden will. Auf mich hat er in diesem Gespräch sehr reflektiert gewirkt.
STANDARD: In der öffentlichen Diskussion wurde auch gefragt, ob der Bergführer der offenbar langsamer vorankommenden Frau Hilfe hätte anbieten müssen.
Perhab: Wenn jemand am Berg Hilfe braucht und ein Bergführer das erkennt, wird er normalerweise helfen. Ich habe noch keinen Bergführer erlebt, der in so einer Situation sagt: Hilf dir selbst. Viele Bergführer sind auch in der Bergrettung aktiv und werden für solche Situationen ausgebildet. Ob die Frau in diesem Fall tatsächlich Hilfe gebraucht hätte oder nur kurz angehalten hat, lässt sich anhand der Bilder aber nicht seriös beurteilen.
STANDARD: Kann dieses Video nun zumindest als Lehrstück dienen?
Perhab: Gerade läuft in der Ramsau ein Ausbildungsblock, in dem solche Themen behandelt werden. Die Kandidaten diskutieren diesen Fall intensiv. Ich finde es gut, wenn man dadurch wieder wachgerüttelt wird und sagt: Auf solche Dinge müssen wir besonders achten. Gott sei Dank ist nichts wirklich Schwerwiegendes passiert. Die Handgreiflichkeit ist zu verurteilen, aber man kann den Fall auch nutzen, um noch einmal sensibler zu werden.
STANDARD: Ist Ihnen in den vergangenen Jahren in Österreich ein vergleichbarer Fall untergekommen?
Perhab: Mir persönlich nicht. Natürlich kann es irgendwo einen Vorfall gegeben haben, bei dem sich ein Bergführer schlecht verhalten hat. Mir ist aber kein vergleichbarer Fall bekannt.
STANDARD: Was ist Ihnen nach diesem Vorfall für den Berufsstand besonders wichtig?
Perhab: Dass man den Beruf trotzdem ernst nimmt. Schon für die Aufnahmeprüfung müssen angehende Bergführer einen Tourenbericht vorlegen, der weit über normales Bergsteigen hinausgeht. Ein Bergführer muss ein Rundum-Alpinist sein, dazu kommt eine lange Ausbildung im Führen, in Didaktik und Methodik. Das wissen viele nicht. Der Bergführer ist aufgrund seiner Vorerfahrung, seiner Ausbildung und seiner Tätigkeit der Profi am Berg. (Philip Bauer, 31.8.2026)